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Auwald-Begehung

 Es ist früher Nachmittag. Wir haben den geraden Schotterweg entlang des Altames Greifenstein verlassen, vorsichtig und behände wagen wir uns über Wurzeln, Äste und Blätterhaufen in den Auwald hinein. „Aaah’s“ und „Ohh’s“ waren bald zu hören, sowie die Fragen an die teilnehmenden Botanikerinnen, Zoologinnen und Ornitologinnen: „Hee …… was ist denn das?“ und „Was fliegt denn da“ und „Was war das?“ Alle anderen „Nicht-Vom-Fach“-Seienden haben sich gut und gern eingebracht in die Erforschung unseres nahen Lebensraumes. Zugegeben – manchmal ist das digitale Kasterl zum Einsatz gekommen und hat eine Bestimmung entweder bestätigt oder doch erst ermöglicht.

Ziel war es, alle unsere 5 Sinne aufzusperren und den Flora- und Faunareichtum des kleinen Stückchen Auwaldes bis hin zum früheren Gasthof „Jarosch“ sprichwörtlich unter die Lupe zu nehmen, vor das Fernglas zu holen, zu erschnuppern, zu erlauschen, zu schmecken und zu ertasten. Kurz uns über dieses Fleckchen Natur oder das was wir als solche bezeichnen zu erfreuen und sie im Augenblick zu bewundern.

 

Und wir staunten alle! Spätestens dann, als wir vor zwei in etwa 100 Jahre alten Schwarzpappeln standen, vor einer Flatter-Ulme, vor mehreren Fuchsbaueingängen. UND es geht die Mähr um, dass auch ein Dachsbau gesichtet wurde. Unsere Spurenleser fanden eine Wildschweinspur und Rehrastplätze mit Rehhaaren!

 Wir beobachteten Schwanzmeisen im Trupp, ziehende Rotkehlchen, die sich am Zug doch in ungewohnt erstaunlichen Höhen aufhalten (im Gegensatz zum Brutverhalten, wo sie hauptsächlich bodennah unterwegs sind), ja sogar ein Kleinspecht hat uns erkannt (wir waren wohl nicht zu übersehen) und alle mit seinem Warnruf auf uns aufmerksam gemacht!

Die kleinen, unscheinbareren und trotz allem sehr geschätzten Geschenke waren zum Beispiel das Hirtentäschel, die Einbeere (Vorsicht giftig) oder das Scharbockskraut, sowie die Nelkwurz, deren Stock nach Gewürznelke riecht.

Auch wir die „ForscherInnen“ wurden belauscht – nämlich von den sogenannten Judasohren, eine Pilzart, die gut versteckt an einem Baumstamm klebte.

Der Rote Kelchbecherling war farblich eindeutig die herausstechendste der Pilzarten.

Bald wurde der Satz laut geäußert: „Uns fehlt ein Pilz-Spezialist! Wir müssen unbedingt Maria fragen, ob sie das nächste Mal mitkommt!“

 Der Bärlauch hat Konkurrenz bekommen in Form von Giersch, Vogelmiere und der Knoblauchrauke. Die ersten hellgrünen Blattspitzen schauten nach langer Trockenheitsphase aus den Knospen der Bäume und Sträucher heraus, nachdem es zwei Tage zuvor einen von der Natur lang ersehnten zarten Regenschauer gab. Bald wird alles wieder voll ergrünen!

Gute Aussichten!

Die Welt der Insekten und Amphibien konnten wir an diesem Tag leider nicht gebührend bewundern. „Bitte wartet noch! Wir kommen bestimmt wieder und dann steht Ihr im Mittelpunkt!“ Das Wetter hat diese Wesen wohl in ihre Höhlen, Erdlöcher, Blattzwischenräume etc. zurückgelockt, da es kühle minus 2 bis plus 3 Grad hatte.

Bei einigen der TeilnehmerInnen begann sich schließlich der Hunger zu melden und nach einem flotteren Rückweg zum Ausgangspunkt verabschiedeten wir uns mit dem Wissen, dass auf so manchem Tisch heute Alium ursinum genossen wird, vielleicht auch die ein oder andere Stellaria media.

 

Danke für die schönen Stunden mit und unter euch Bäumen!

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