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Eine Wildhecke entlang des Radweges - Wie alles begann

SABINE HILLE

Eine hohe Hecke aus Wildgehölzen und Nussbäumen musste dem Bau des neuen Radweges entlang der Schredengasse weichen. Eine kleine Gruppe von engagierten Bürger*innen schaffte es, dass hier bald eine neue und vielfältigere Hecke gedeiht.

Spätsommer 2019 - Genau in dieser noch sommerlichen Stimmung, die einen umarmt, inmitten der “Fridays for Future” Demonstration, umringt von Kindern, die laut schreiend die Angst um ihre Zukunft artikulieren - begann es in Wördern.

Genau in dieser gemeinsam gerührten Offenheit sprach ich meine Demo-Nachbarin, die ganz zufällig auch die Vizebürgermeisterin ist, an, dass der Baumverlust in Wördern mittlerweile drastische Ausmaße annimmt. Es wird auch kaum nachgepflanzt. In den letzten Jahren sind auffallend viele Baumfällungen in der Gemeinde vorgekommen und auch die so wichtigen Strukturen wie Hecken verschwinden.  Die Greifensteiner Straße wurde vor wenigen Jahren noch von einer Allee bewachsen, die Jahrhunderte Jahre alten Linden entlang der Wallenböckgasse verschwanden, die Rodungen entlang der ÖBB Flächen, in der Au und im Wienerwald zugunsten von Deponieflächen… und und und….

 

Zum Glück musste ich nicht argumentieren, es war sprichwörtlich wie offene Türen einrennen:  Sie freute sich, dass dieses Thema angesprochen wurde und bot mir sofort an, Bepflanzungen mit der Gemeinde im Ort vorzunehmen. Ein Projekt stünde auch konkret gerade im Herbst 2019 an: die Böschung an der Schredengasse entlang des neu gestalteten Fahrradweges zu bepflanzen. Wunderbar - eine lange Hecke pflanzen - dachte ich und hielt das Transparent vor Freude noch höher, ich hätte die Welt umarmen wollen und roch schon den Frühling in den aufbrechenden Knospen am Wegesrand der Schredengasse.

 

Nun, so schnell geht so ein Projekt dann doch nicht. Im September 2019 recherchierte ich zunächst die Bodenbeschaffenheit, die Lage und Fläche, die zu bepflanzen sein würde. Von der Gemeinde bekam ich die Regelprofile und Planungsunterlagen der Straßenanlage. So bereitete ich mich für eine erste Sitzung mit dem Bürgermeister, einigen GemeinderätInnen und Herrn Idrizi vom Bauhof erst einmal vor. Für die Vorbereitung wählte ich auf Basis der Gegebenheiten vor Ort bereits aus, welche Strauch- und Baumpflanzen hier an welchen Stellen gut wachsen würden. Da berücksichtigt man nicht nur die Ansprüche an Boden und Sonne, sondern auch die Konkurrenz durch benachbarte schneller wachsende Pflanzen und die potentiellen Pflegeschritte, die danach durchgeführt werden müßen. Und die größte Herausforderung ist es, Pflanzen auszuwählen, die auch auf einer sonnen- und insbesondere windexponierten Schotterböschung mit wenig Erdauflage anwachsen können. Einige Stellen haben saureren Boden und sind leicht beschattet, das waren die Bereiche um die alten Nussbäume, dort können Pflanzen gedeihen, die vom Schutz und Schatten der Bäume profitieren.

 

Natürlich braucht die Anpflanzung dann noch im ersten Sommer viel Wasser und die Pflanzen dürfen nicht vom zwei Meter hoch wachsenden Beifuß, der die Böschung schon einnimmt, verdrängt werden. Das heißt, Wildkräuter rund um die  Pflanzen herausreißen und um die Pflanzen legen. Dieser Mulch hält die Feuchte in der Erde, liefert Humus, nährt die Bodenlebewesen und verringert Nahrungs- und Lichtkonkurrenz durch Beikräuter. Das Mulchen ist übrigens hinsichtlich der wärmeren und trockener werdenden Jahre das A und O auch für den Garten. Da  fällt dann in den ersten 2 Jahren nach der Pflanzung auch noch einiges an Planung und Arbeit an..

Nach einer ersten Planungs-Sitzung mit GemeinderätInnen, Vertretern des Bauhofes und dem Bürgermeister waren alle erfreut und die Gesichter vertrauter geworden. Herr Idrizi vom Bauhof und ich konnten nun offiziell zusammenarbeiten. Mein Pflanzplan stieß zunächst auf etwas Diskussion: Die Bäume sollten nicht eine Gefahr für die Fahrradfahrer werden und Sie mit Obst bewerfen oder dass die Blätter auf den Fahrradweg fallen und dann eine Rutschgefahr darstellen. Eine Gemeinderätin wollte zudem unbedingt eine Walnussbaumallee haben. Da jedoch zwei Walnussbäume noch stehen und sich verjüngen, das heißt Jungbäume zuwachsen, benötigt diese Art keine Unterstützung. Hier ging es um das Ansiedeln von eben den Arten, die noch nicht da sind und von alleine nicht kommen würden. Und so konnte die bereits geplante Liste beibehalten werden, um nach wie vor diese wichtigen Ziele zu verfolgen:

 

Die Hecke sollte

·         langlebig und dicht sein

·         aus einheimischen und insbesondere standorttypischen Sträuchern und Bäumen bestehen

·         Pflanzen umfassen, die die Biodiversität von Vogel, Biene, Spitzmaus etc. fördern

·         einen Wind- und Erosionsschutz bieten und das Kleinklima verbessern

·         keine Fahrradfahrer stören 😉

·         aber insbesondere auch eine wunderschöne Farbenpracht in Blatt, Blüten und Kleinfrüchten aufweisen und

damit alle  Vorbeigehenden erfreuen und zum Verweilen und Naschen einladen

Eine Hecke eben, von der alle etwas haben, und das auch langfristig!

 

In der weiteren Planung ging es um die Verteilung der Pflanzen entlang der Böschung. Diese erfolgte so, dass an den schmalen Böschungsrändern vorwiegend langsam wachsende Sträucher gesetzt werden und dass an den breiteren Stellen näher zum Böschungsfuß auch einige wenige Bäume gepflanzt werden können. Die jeweiligen Arten wurden in Gruppen von 4 bis 6 Pflanzen gesetzt, das gibt bessere Befruchtungen und Anwachschancen. Nun ist auch wichtig auszuhandeln, dass die Erde, die auf die Schotter-Böschung aufgebracht wird, eine gute “Muttererde” ist! Eine wichtige Auflage dabei war, dass es keine kies- oder bauschutthaltige Erde oder gar schadstoffbelastete ist, die jemand vielleicht im Rahmen eines solchen Projekts schnell loswerden möchte.

Langsam nahm die Planung Gestalt an, die Pflanzliste und Reihenfolge waren festgelegt. Die Finanzierung sollte aber nochmals abgestimmt werden. So konnte die Bepflanzung im Frühjahr 2020 noch nicht starten.

 

Glücklicherweise kamen dann, genau zum richtigen Zeitpunkt, als tatkräftige Unterstützer*innen Rita, Lis, Folgert und Gertrud dazu. Rita übertrug die Pflanzliste in eine Karte. Mit diesem „Schredengassen-Team“ würden dann auch alle weiteren Aktionen gut gelingen. Die Bepflanzung sollte in einer gemeinsamen Pflanzaktion mit der Gemeinde und BürgerInnen stattfinden. Mit Feier, Musik und Ständen und viel Informationen zu Heckenpflanzen wurde die Aktion auch für Gartenfreunde und Kinder zu einem Erlebnis. Aber recht kurzfristig wurde die Aktion der Coronamaßnahmen wegen offiziell abgesagt.

Ein Team vom Bauhof unter Aufsicht von Herrn Idrizi hat dann die Pflanzung der ca 400 Pflanzen im Herbst 2020 anhand des genauen Planes alleine vorgenommen. Zusätzlich, mittlerweile als „Schredengassen-Team“ gut organisiert, haben wir uns schnell koordiniert und die Pflanzung in zwei Halbtagen im Winter noch mit Karton um die Pflanzscheibe versehen und alle Pflanzen nochmals angedrückt und mit Erde und Mulch versehen.

 

Wir sind alle Paten dieser wertvollen Pflanzung. Die ganze Pflanzung ist ein tolles Bürgerprojekt geworden, das von der Gemeinde bestens unterstützt wurde. Viele Vorbeifahrende freuen sich bereits an der Pflanzung, fragen interessiert und warten schon gespannt auf das Frühjahr. Und eine junge Sommerlinde begrüßt die Vorbeiradelnden an einem besonderen Verweilplatz. Sie ist der erste von hoffentlich vielen noch kommenden Patenbäume in STAW. Ich habe für diese Linde die Patenschaft übernommen und werde ihr Gedeihen begleiten.. 

Die Geschichte ist auch noch lange nicht zu Ende…..jetzt müssen die jungen zarten Pflanzen die Streusalzfluten das Winters überleben, dann das Frühjahr und den heißen Sommer ohne Trockenstress überstehen und gut anwachsen. . Damit die Sträucher am Leben bleiben, benötigen sie dann ab März regelmäßig Wasser und im Mai müssen noch einmal die Beikräuter gejätet werden. Ich hoffe auf viele Mitwirkende!

 

Ich freue mich schon auf das gemeinsame Tun und Entdecken an dieser so schönen langen Hecke. Was als einzelne Idee startete ist ein wunderbares Projekt vieler Beteiligter geworden. Dank dafür gebührt auch der Gemeinde und Mirjam, Aida, Ulli, Daniel, Maximilian, Nazmi und allen Weiteren, die das Projekt zum Erfolg brachten und auch an alle, die es in Zukunft unterstützen werden.

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